Glück vs. Freude

“[…] das Glück verhält sich zur Freude wie eine elektrische Lampe zur Sonne. Das Glück hat immer einen Gegenstand, man ist immer über etwas glücklich, es ist ein Gefühl, dessen Auftreten von etwas Äußerem abhängt. Die Freude dagegen hat keinen Gegenstand. Sie kommt ohne jeden ersichtlichen Grund über dich, sie gleicht in ihrem Wesen der Sonne, leuchtet dank der Verbrennung ihres eigenen Herzens.”

Susanna Tamaro in: Geh, wohin dein Herz dich trägt

Gras und Gleismann

Als Gleismann einen Joint aus seiner Jackentasche zog, wusste Larissa, dass auch er mehr vom Leben wollte. Kiffer waren ihr schon immer sympathisch, wenngleich sie selbst mit dem Zeug nichts anfangen konnte. Es machte sie träge und blöd. Eigentlich waren fast alle Kiffer irgendwie träge und blöd, aber einige auf eine Weise, die Larissa aus unerfindlichen Gründen anzog. Sie sah in ihnen die tiefe Sehnsucht nach mehr, sie mochte ihre Melancholie, denn die ließ sie oft so interessant erscheinen, so gebrochen und gleichzeitig gleichmütig. Der Kiffer an sich wirkte sexy auf Larissa. Kiffende Männer waren außerdem nicht verrucht genug, um ihr das Herz zu brechen. Und das war wichtig. Sie liebte es, verknallt zu sein, aber die Sache mit der Liebe ging ihr zu weit.

Ganz in Ordnung

„Ganz in Ordnung reicht nicht“, sagte sie und zog an ihrer schief gedrehten Zigarette mit dem obligatorischen Knick. „Ganz meiner Meinung“, entgegnete Gleismann und zündete seinen Joint an. „Du auch?“, fragte er. Larissa lächelte erhaben, schüttelte den Kopf und deutete auf ihre Zigarette. „Schwarzer Redbull ohne Filter. Kiffen macht mich gleichgültig und das ist keine gute Sache, besonders nicht heute Abend.“